Medienmitteilung vom Feuerwehrverband des Kantons Zug
Der Einsatzleiter gibt Auskunft! Das etwas andere Feuerwehrtraining.
Feuerwehrangehörige haben bei einem Ereignis oft nicht nur mit verletzten Personen, Hitze und Flammen zu tun. Nein, auch mit Journalisten und Fernsehleuten, die allerhand wissen wollen und meist schon sehr schnell am Ereignis sind.
Seit 2010 bietet der Feuerwehrverband vom Kanton Zug Medientrainings für alle Feuer- und Betriebswehren vom Kanton Zug an. Der Kurs leitet Simon Kopp, Medientrainer, Journalist und Kommunikationsexperte, ein Profi auf seinem Gebiet. Simon Kopp hat einer kleinen Gruppe von zwei Kommandanten, zwei Vizekommandanten, einem Presseoffizier und einem Soldaten am Samstag, 20. Februar 2010 ein praktisch anwendbares Medientraining vermittelt.
Ziel des Kurses war es, folgendes zu üben: Interview auf dem Schadenplatz, wie kann ich mich vorbereiten, Training vor der Kamera inkl. Analyse und Optimierungsmöglichkeiten, Trainingssequenzen mit aktuellem Fall und den Umgang mit Medienschaffenden auf dem Schadenplatz. Es wurde natürlich auch intensiv mit dem neu erschienenen Lehrmittel „Feuerwehr und Medien“ gearbeitet.
Was nützt uns alle Theorie, wenn wir am Einsatzort vor einem Journalist mit einer Kamera stehen und nicht wissen, ob wir in die Kamera blicken oder den Moderator anschauen sollen? Egal ob live oder aufgezeichnet, wenn die Kamera läuft, wenn der Reporter beginnt, seine Fragen zu stellen, kann plötzlich alles ganz anders aussehen. Nervosität bekämpfen, Gestik und Mimik richtig einsetzen, kritische Fragen beantworten. Dies sind Situationen, die man vor einem Interview schon einmal geübt haben sollte. Nur so kann man fachkundig und gewissenhaft Auskunft geben.
Kaum mit dem Morgenkaffee fertig, ging es auch schon los. „Guten Morgen ich bin der Simon, kommst du schnell in den Theorieraum, ich möchte ein Interview mit dir machen“. Paff, die Kamera läuft und Simon stellte mir eine Frage nach der anderen und probierte, mich auszuquetschen. Es blieb mir keine Zeit, um zu studieren und ich fing an, auf seine Fragen möglichst treffende Antworten zu suchen. Es trieb mir langsam den Schweiss auf die Stirn und schon hiess es Stopp, der Nächste ist an der Reihe. Jeder von uns bekam die Gelegenheit, noch nicht warmgelaufen, sich vor laufender Kamera und Mikrofon auszuprobieren. Dies war für uns alle ein harter Einstieg in die Welt der Medien. Im Gruppengespräch wurden später gemeinsam alle Auftritte, bei lautem Lachen und Schmunzeln, analysiert. Ihr dürft dem Journalisten nicht alles erzählen und schon gar nichts, wo ihr euch sicher sind. Simon Kopp gab uns dabei konstruktive und wertvolle Tipps zur Verbesserung der Auftritte. Er beteuerte uns, spätestens am Nachmittag bei der letzten Übung können wir sicher und kompetent vor der Kamera Auskunft geben.
Die Theorie für den Umgang mit den Medien klingt relativ banal. Man muss eine Botschaft haben, darf nur im eigenen Kompetenzbereich Auskunft geben, soll kurze und klare Antworten geben, möglichst bildlich und ohne Fremdwörter reden. Es heisst, eine Videosequenz am Fernsehen muss ein 14-jähriger verstehen können. Wir sprechen also nicht von Böden sondern von Stockwerken und nicht vom Halten sondern vom Schützen eines Gebäudes. Wichtig ist es auch, dass man sich nie auf Spekulationen einlässt und immer bei der Wahrheit bleibt.
Um die Übungssituationen möglichst realitätsnah zu gestalten, bekamen wir einige Fälle aus dem Feuerwehralltag zu sehen, die irgendwo in der Schweiz passierten. Sie dienten uns als reale Szenarien, die wir innerhalb von 10 Minuten vorbereiten mussten. Einer nach dem anderen musste dann wieder vor die Kamera und sich den Fragen von Simon Kopp stellen. Der Eine oder Andere suchte sich einen guten Platz mit sehr gutem Hintergrund, um das Interview zu geben. Es gibt nichts Schlimmeres, als im Hintergrund winkende Personen oder sich kurz ausruhende Feuerwehrleute bei einem Grossereignis, während wir dem Kameramann im Interview sagen, dass wir noch mit der ganzen Mannschaft am löschen sind. Im Anschluss der Aufnahmen wurden die Ausschnitte analysiert und in der Gruppe diskutiert. Dadurch konnte innert kurzer Zeit mehr Sicherheit im Umgang vor laufender Kamera gewonnen werden. Sachliche und klare Informationen sind sehr wichtig im Umgang mit den Medien.
Verschiedenste Filmausschnitte haben uns gezeigt, wie fatal sich ungeschickte Äusserungen insbesondere zu Beginn eines Ereignisses auf die Wahrnehmung einer Situation, sowie auf die Glaubwürdigkeit einer Organisation (Feuerwehr) auswirken können. Jeder Einsatzleiter, Offizier und Fachoffizier (Presseverantwortlicher) kann in die Situation kommen, den Medien Auskunft erteilen zu müssen. Um diese schwierigen Lagen bestehen zu können, sind regelmässige Medientrainings sehr wichtig.
Fazit
Die Schulung wurde von allen Beteiligten als sehr wertvoll eingestuft. Der Tag war spannend und lehrreich zugleich. Es wurde aber auch betont, wie wichtig ein regelmässiger Refresh ist. Als besonders nützlich hat sich das Training anhand von einigen realen Fällen erwiesen. Damit wurden die Übungen sehr realistisch und nachvollziehbar. Schwierigkeiten in der Abgrenzung, worüber kann die Feuerwehr Auskunft geben, worüber nicht, konnten direkt diskutiert werden. Das neue Medienhandbuch wurde von Allen als sehr lehrreich, informativ und interessant empfunden. Dem Kursleiter Simon Kopp ist es gelungen, uns die Medienwelt näher zu bringen, die Angst vor laufender Kamera zu nehmen und uns das Rüstzeug zu vermitteln, kompetent und selbstsicher ein Interview zu geben.
Text und Bilder:
Presseverantwortlicher, Marcel Wicky


